Junges Landestheater Bayern

Zeig mir deine Wunde 2 c (Cinema Version)

ein Stück über das Universale im Menschsein, das durch unsere Verletzungen und Ängste immer durchscheint, trotz aller Unterschiede, und die Suche nach Würde und einer gemeinsamen Genesung

 

Die meisten Menschen, die seit 2015 Zuflucht in unserem Land suchen, haben furchtbare Dinge erlebt. An die traumatisierenden Gewalt-Erlebnisse durch
Mitmenschen in ihrem Herkunftsland reihen sich oftmals weitere schlimme Erfahrungen auf den Fluchtwegen. Bei uns angekommen leben viele Geflüchtete über einen sehr langen Zeitraum mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus - ein verletzter Mensch, der eigentlich Schutz und Ruhe braucht ist hier immensen Belastungen ausgesetzt. In Schulen, Verwaltungen und Arztpraxen stellt uns das aktuell vor besondere Herausforderungen.

Probe der Erweiterung und Überarbeitung "Zeig mir deine Wunde 2" (Haruna Munira als Journalist/ Dokumentarfilmer Lawrence)

Zeig mir deine Wunde 2 c

für das Cinema Roding neu überarbeitete und erweiterte Version der ursprünglichen Inszenierung Zeig mir deine Wunde, die auch den neuesten Stand der enthaltenen dokumentarischen Anteile berücksichigt. 

Wir schauen auf die Komplexität der Thematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln - dem eines jungen ghanaischen Journalisten, einer Filmregisseurin und ihrer Medizin studierenden Tochter, derer vorgesetzten Oberärztin, eines erfahrenen Asyl-Entscheiders und einzelner Geflüchteter. Dabei vertiefen wir exemplarisch die Geschichte des Afghanen Hassan Adschuli.

Ist ihm Asyl zu gewähren? Welche Hilfe benötigt er aus medizinischer Sicht? Kann oder sollte man gar aus seinem Schicksal einen Film machen?
Und was ist mit unserer eigenen Verwundbarkeit? Wir alle erfahren im Laufe unseres Lebens Verletzungen. Führt uns das dazu, dass wir das Leiden um uns herum ausblenden wollen oder kann es uns mitfühlender und gütiger machen?

 

Entscheider Adam (F.Pauli) wird von Lawrence (H.Munira) über seine Arbeit befragt
Die junge Medizinstudentin Adele (M.Machalitza) trifft auf Hassan Adschuli (A.Gholam) der sich wegen seiner drohenden Abschiebung gerade das Leben nehmen wollte.
Für ihren Film will Paula (V.Schweinstetter) mehr über die Fluchtgründe erfahren

"Diese Wunde, dieses Fragmentarische muss man anschauen und dann weitergehen, sich ergänzen lassen vom anderen. Das gemeinsame Vorgehen bringt die Menschheit erst in Gang." (J.Beuys)

 

Ensemble: Aziz Gholam (Hassan Adschuli); Haruna Zahidi Munira (Lawrence, ein Journalist und Dokumentarfilmer aus Ghana); Vera Schweinstetter (Paula, eine Filmregisseurin); Michelle Machalitza (Paulas Tochter, im fachpraktischen Jahr ihres Medizinstudiums); Eva Sättler (Adeles vorgesetzte Oberärztin); Felix Pauli (Herr Adam, ein erfahrener Asyl-Entscheider); Larry und Endurance (Geflüchtete); Matthias Fischer (Regie)

 

„Wollen wir zu größerem Mitgefühl zurückfinden, so kann uns das in Konflikt mit den innersten Werten unserer Kultur bringen. Unsere Kultur ist eine, die Beherrschung und Kontrolle wertschätzt, in der Selbstständigkeit, Kompetenz und Unabhängigkeit kultiviert werden. Aber im Schatten dieser Werte findet sich eine tiefverwurzelte Ablehnung unserer menschlichen Ganzheit. Als Individuen und als Kultur haben wir eine Art Verachtung für alles in uns und in anderen entwickelt, was Bedürfnisse hat und fähig ist, zu leiden. Dies ist keine freundliche Welt. Und während das Leben auf diese Weise kälter und irgendwie härter wird, strampeln wir uns ab, um für uns und unsere Lieben durch unser Wissen, unsere Fähigkeiten, unser Einkommen irgendeinen sicheren Ort zu schaffen. Wir schaffen Sicherheitszonen in unseren Wohnungen und Büros und selbst in unseren Autos. Diese Plätze trennen uns voneinander. Doch Plätze, die Menschen voneinander trennen, sind nie sicher genug. Vielleicht ist das Gutsein, die Güte, die wir jeweils ineinander finden, unsere einzige Zuflucht.“ (R.Remen)

Das Theaterstück enthält neben biografischem Material auch Inspirationen und Zitate aus folgenden Quellen: Rüdiger Sünner: Zeige deine Wunde. Kunst und Spiritualität bei Josheph Beuys (2015); SZ-Kolumne: Neue Heimat (2018); Marc Forster/Khaled Hosseini: The Kite Runner (2007); Sandra Budesheim/Sabine Zimmer: Auf dünnem Eis - Die Asylentscheider (2017), Hauke Wendler: 45 Min - Protokoll einer Abschiebung (2016); Rumi: Gedichte; Peter A.Levine: Sprache ohne Worte (2010); Bessel van der Kolk: Verkörperter Schrecken (2014); Alexandra Liedl: Psychotherapeutische Versorgung von geflüchteten Menschen (2018); Rachel N.Remen: Aus Liebe zum Leben (2000); Bernd Kastner: Die Humanität droht zu ersticken (SZ 2019)