Junges Landestheater Bayern

Hans im Glück

Glück oder Unglück? Wer weiß das schon? Wer weiß schon, für was das, was passiert oder wie sich das Leben uns zeigt, gut ist?

Was macht uns überhaupt glücklich? Die reinen Bedürfnisse des Körpers sind doch hierzulande recht schnell befriedigt und es bleibt oft trotzdem noch ein unbehagliches Loch oder eine Leere in uns, die sich einfach nicht füllen mag - nicht durch mehr materiellen Besitz, nicht durch immer mehr Wissen und auch nicht durch Sammeln von Bestätigung und Anerkennung.


In vielen Märchen verwandelt sich anfängliches Unglück oftmals in größtes Glück, scheinbar ausweglose Situationen werden gelöst.

Wie können wir in unserem Leben lernen, Herausforderungen anzunehmen und nicht jede Irritation oder Schwierigkeit als Unglück erleben?

In „Hans im Glück“ findet man eine wunderschöne Parabel auf das Erfahren des Glücks durch das Gehen von Moment zu Moment, der absoluten Akzeptanz dessen, was der Augenblick bringt. Wie in kaum einem anderen Märchen werden hier im wahrsten Wortsinne Erkenntnisse ver-handelt, welche eine gemeinsame Basis nahezu aller Weisheitslehren bilden: die Dinge der Welt können uns bestenfalls zeitweilig Glück verschaffen. Wenn wir daraus den Schluss ziehen, dass wir an diesen materiellen Dingen festhalten oder gar MEHR davon brauchen, wenn wir wieder unglücklich geworden sind nach einer kurzfristigen Befriedigung, entsteht dadurch Leiden für uns und andere - permanentes „Upgrading“ führt notwendigerweise zum Burnout aller Ressourcen und dabei auch zu den kleinen und großen Kriegen, die klären sollen, wer sich an diesen für kurze oder längere Zeit, jedoch immer endlich, bereichern darf.

Hans (Haruna Munira)

Hans wird als "Dummling" bezeichnet - ein wiederkehrendes Motiv in vielen „Glücks-Märchen“. Was ihm fehlt, ist bei genauer Betrachtung jedoch nur eine scheinbare Intelligenz, nämlich die Schläue, wie man andere übervorteilt, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Es scheint sogar so, als würde er in seinen Tauschgeschäften ein regelrechtes „downgrading“ betreiben und so bleibt bei allen, die sich zunächst für Gewinner halten, eine Irritation übrig: warum ist Hans trotzdem glücklicher? Er ist auf einer ganz anderen Reise - weg vom Haben zum Sein oder zurück zur Quelle, die immer sprudelt und alles hat: „mit leichtem Herzen und frei von aller Last“ findet Hans „nach Hause“.


Der Klumpen Gold aus der Hand des Meisters, mit dem das Märchen beginnt, kann also wie eine wirkliche Intelligenz- oder Charakterprüfung gesehen werden - Was machen wir mit unserem "Gold"? Für was steht es?

Einen entscheidenden Hinweis gibt das "IM" des Titels. "Im Glück sein" kann die Erkenntnis sein, dass wir es gar nie verlassen müssen, dass wir immer vollkommen sind und vollkommenes Vertrauen „haben und sein" können, dass sich unser Leben, wie das Universum, jeden Moment auf wundervolle Weise entfaltet und aus dieser tiefen Verankerung können wir auch für alle schwierigen Situationen, die uns immer begegnen werden, Kraft schöpfen.