Die Schwerkraft schien mir allgewaltig wie die Liebe. Ich fühlte, dass die Erde meinen Rücken stützte, mich hielt, mich hob und schließlich in die Weite der Nacht führte. Ich fühlte mich der Erde verbunden, ich genoss die herrliche Stütze, ihre Festigkeit und Sicherheit."
In dieser poetischen Beschreibung von Antoine de Saint-Exupéry in 'Terre des hommes' steckt ein zentraler Aspekt aus dem der Physiker Moshé Feldenkrais seine komplexe Lern-Methode „Bewusstheit durch Bewegung“ entwickelte.
Die Schwerkraft ist tatsächlich allgegenwärtig.
Alle unsere Bewegungen stehen in einer permanenten, fundamentalen Beziehung zum Vektor der Schwerkraft, der im Wesentlichen vertikal zum Erdmittelpunkt gerichtet ist.
Unser Vestibularsystem nimmt die Richtung der Schwerkraft wahr, wodurch wir Orientierung erfahren.
Von dieser Orientierungs-Mitte aus erfahren wir alle Verlagerungen, in allen Abstufungen von fein über mittel bis ausladend - wir erfahren sie unbewusst, können sie aber auch bewusst wahrnehmen lernen.
Was für Bewegungen des Körpers wahr ist lässt sich dann auch sehr leicht auf emotionale und gedankliche Bewegungen übertragen.
Und immer wenn wir uns verlieren wie Exupéry im eingangs zitierten Text, können wir wieder die Schwerkraft nutzen, um unser Gewicht bewusst zu spüren und damit auch uns selbst. In dem Augenblick, sind wir immer im Hier und Jetzt und damit an der Basis des Schauspielhandwerks.
Jeremy Krauss, ebenfalls ein Schüler von Dr. Feldenkrais, entwickelt in seinem Approach (JKA) diese fundamentalen Erkenntnisse weiter - um Bewegung noch besser verstehen zu können bricht er sie auf die kleinsten Elemente herunter: diese kleinsten Elemente können kombiniert werden und so entstehen immer neu die unendlichen Möglichkeiten, die uns allen als Baby zur Verfügung gestanden haben, bevor sich unser Nervensystem auf die momentan nützlichsten festlegte.
Das heißt: wir können uns durch neue, ungewohnte Bewegungskombinationen geradezu ganz praktisch neu erfinden. Ein neues Körpergefühl gibt anderen Emotionen und anderen Gedanken Raum. Wie wesentlich auch das für jeden Schauspieler!
Es entsteht eine, von Feldenkrais’ Schülerin Ruthy Alon so trefflich benannte, Mindful Spontaneity - eine aufmerksame Spontaneität die gerade für SchauspielerInnen zur nie versiegenden Schöpfungsquelle oder Spiel-Welle wird.