Junges Landestheater Bayern

Geheime Freunde

Bühnenfassung von Rudolf Herfurtner

nach dem Jugendroman „Der gelbe Vogel“ von Myron Levoy
(amerik. Originaltitel: „Alan and Naomi“) - ab 13 Jahren (7. Klasse)

Es ist 1944 im multiethnischen Stadtteil Queens von New York City.
Alan Silverman und seine Freunde liefern sich nach der Schule leidenschaftliche Straßen-Schlagballschlachten und eifern mit dem Siegeszug der amerikanischen Truppen im fernen Europa gegen Nazi-Deutschland mit. Als die jüdischen Flüchtlinge Naomi Kirshenbaum und ihre Mutter in Alans Mietshaus aufgenommen werden rückt dieser Krieg plötzlich ganz nahe.
Ms. Silverman, selbst eine europäischstämmige Jüdin, engagiert sich persönlich und politisch für die Immigranten und bittet ihren Sohn, sich um die gleichaltrige Naomi zu kümmern. Alan übernimmt die Aufgabe nur widerwillig, da er und die anderen Jungs Naomi für “irre“ halten. Sie will mit niemandem reden und zerreißt in einem Fort Papier in kleine Fetzen.

Naomi (T.Stork) und ihre Puppe Yvette

Alan erfindet eine sprechende Puppe, mit der er seine eigenen Hemmungen überwindet und langsam einen Zugang zu Naomi aufbauen kann. Er erfährt die Hintergründe ihres Zustandes und spürt darunter mit viel Geduld ein geistreiches Mädchen auf. Durch das entstehende Vertrauen beginnt zwischen den beiden eine ganz besondere Freundschaft zu erblühen. Aus Furcht vor Unverständnis und davor, einmal mehr bei den Jungs als “jüdisches Weichei“ zu gelten, verheimlicht Alan seine Beziehung zu Naomi - sogar gegenüber seinem besten Freund, Shaun.
Das Geheimnis bleibt jedoch nicht unentdeckt und auch Naomis Ängste sind längst nicht besiegt.

Die literarische Verarbeitung der historischen Ereignisse der 1940er Jahre aus amerikanischer Sicht erscheint heute, da wir hier in Europa einmal mehr konfrontiert sind mit Einwanderung und Flüchtlingsschicksalen, aktueller denn je.

Ms. Silverman (U.Grzela)
Alan (S.Eigenbrod) nach dem Schlagballspiel

"Ich wünschte, die Erinnerung an die geflüchteten und vertriebenen Menschen von damals könnte unser Verständnis für geflüchtete und vertriebene Menschen von heute vertiefen. Und umgekehrt: Die Auseinandersetzung mit den Entwurzelten von heute könnte unsere Empathie mit den Entwurzelten von damals fördern.“ (Bundespräsident Joachim Gauck am 20. Juni 2015)

Der Autor Myron Levoy wurde 1930 als Sohn eines jüdischen Emigranten aus Hannover und einer Ungarin in New York City geboren und wuchs selbst in Queens auf. Kindheitserfahrungen aus dieser Zeit fließen in seine Jugendbücher ein. In seinen Romanen stehen menschliche Fragen im Vordergrund, wie die Probleme des Erwachsenwerdens, des Zu-sich-selbst-Findens und -Stehens aber auch der Kampf gegen Vorurteile und Rassismus. Für „Der gelbe Vogel“ wurde Levoy mit zahlreichen amerikanischen und europäischen Buchpreisen ausgezeichnet, unter anderem 1982 mit dem American Book Award und dem Deutschen Jugendliteraturpreis.

Für die Vorbereitung oder vertiefende Beschäftigung mit den Themen der Inszenierung bieten wir in der Reihe JLTB mobil zu diesem Stück den „Klassenbesuch mit Buch“ an.

Ensemble: Theresa Stork (Naomi Kirshenbaum), Benjamin Mangelsdorf (Joe Condello), Ula Grzela (Ms. Silverman), Sebastian Eigenbrod (Alan Silverman), Noredin Taabni (Shaun Kelly), Anika Loidl (Musik), Timm Huber (Musik) Maximilian Pietrek (Musik), Tobias Perzl (Kamera), Matthias Fischer und Vera Schweinstetter (Künstlerische Leitung)

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