Junges Landestheater Bayern

Pressestimmen

Ein spannender Scherbenhaufen
Das Stck Notendruck feiert eine gelungene Premiere und regt zum Nachdenken an

Das passt: Whrend das alte Stadttheater bei der Premiere von "Notendruck" seine Wiederauferstehung erlebt, kmpfen in der Realschule Waldkraiburg ein paar Tren weiter die Schler der realen Abschlussklasse im Frderunterricht mit dem Mathe-Prfungsstoff.
Der fast perfekte Zufall ist Teil des Projekts. Mit "Notendruck" will das Junge Landestheater Bayern so nahe wie mglich heran an die Wirklichkeit, an das echte Leben in den Schulen. Eltern Lehrer und Jugendliche - so heit es im Untertitel - sollen nmlich "Nachdenken ber die Schule", sich Gedanken machen ber das, was tglich um sie herum geschieht. Was Moral, Respekt und Ethik heute noch bedeuten in einer Gesellschaft, die ihre Mitglieder vor allem nach Leistung beurteilt. Die haben die beiden Kollegiaten Oli und Paul nicht gebracht. Ausgerechnet die Abschlussklausur in Mathe haben die beiden versemmelt, jeder auf seine eigene Weise. Gemeinsam mit Pauls Freundin Lena und Klassenkamerad Michael schmieden sie einen perfiden Plan. Erst wollen sie die Mathe-Lehrerin, Frau Goritzka, mit einem Geburtstagsstndchen und Champagner betren, um ihr dann den Schlssel fr den Safe zu entlocken, in dem die verpatzten Schulaufgaben liegen. Gezwungen ungezwungen geht es also anfangs zu, die Lehrerin freut sich ber die unerwarteten Aufmerksamkeiten ihrer Schler, durchschaut aber schon bald das niedertrchtige Spiel - und spielt nicht mehr mit. Die Situation eskaliert, ein Handy geht zu Bruch. Und aus der geschlossenen Gruppe werden Einzelkmpfer: Allen voran Micha, der Macher, der Hardliner, fr den alles nur ein Experiment scheint, berzeugend gespielt von Uwe Thomsen. Dazu Paul, der Philosoph, schlau und wortgewandt von Christian Erdt dargestellt. Und schlielich Oli, der Auenseiter, der Angsthase, in Panik vor seinem zornigen Vater, dem Alkohol verfallen und ohne Perspektive. Ein gelungenes Heimspiel fr den Mhldorfer Fabian Stark. Jeder versucht auf seine Weise den Schlssel zu bekommen: Micha brllt, Paul diskutiert, Oli bettelt. Und Lena? Wechselt die Seiten, wehrt sich - wehement gespielt von Rosa Frey - gegen die immer abartigeren Plne der Jungs. Die Beziehung zu Paul geht in die Brche, hlt wie so vieles dem Druck nicht Stand. Am Ende sitzt Frau Goritzka alleine auf der halbdunklen Bhne, beeindruckend gibt Ula Grzela die vllig verzweifelte und desillusionierte Lehrerin. Wie konnte es so weit kommen? "Eure Wnsche sind so primitiv - mglichst viel fressen und ein mglichst warmes Fell. Moralische Krppel seid ihr und verkraftet den Wohlstand nicht. Unertrgliche Egoisten. Demut hat euch keiner beigebracht." Nach 90 Minuten bleibt vor allem eines zurck: ein groer Scherbenhaufen. Zerbrochene Trume, zerbrochene Freundschaften, zerbrochene Zukunft. Das kaputte Handy ist da noch der geringste Schaden.


Alles zu spt: Als Paul und Michael den Schreibtisch mit den
Zeugnisbemerkungen plndern, ist die Situation lngst eskaliert.

Licht, Musik, Video: geschickt sorgen Matthias Fischer und Dramaturgin Vera Schweinstetter fr Abwechslung auf der Bhne und halten die Spannung ber die gesamte Spielzeit aufrecht. Den Orchestergraben nutzen sie als zweiten Raum, die Szenen werden auf eine Wand im Hintergrund bertragen. Doch bei aller technischen Raffinesse: Im Mittelpunkt stehen die Dialoge, die Diskussionen zwischen Lehrerin und Schlern. Fr das Publikum bleibt gengend Raum, sich Gedanken zu machen, was sich dort oben abspielt. Nachdenken ist angesagt.

Mhldorfer Anzeiger

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