Junges Landestheater Bayern

Theater im ehemaligen Zollamt der Stadt Furth im Wald. 2

Es darf nie wieder so entsetzlich still in der Welt sein

Schler der 10. und 11. Klassen besuchten die Inszenierung im "Theater Zollamt" zum Lebensweg junger Leute zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und ihrer Situation bei Kriegsende.
Nachdem die Schler erst Zeugen eines Kriegsspiels unter Freunden wurden und sahen, wie sich ein Unterlegener nach dem Erhalt des Einberufungsbefehls zum Brutalen wandelte, aus dem Siegertypen der Verngstigte und aus dem Muttershnchen der Ausbrecher wurde, wechselten sie ihre Betrachtungsweise.

Sie gingen mit dem liegen gebliebenen Kriegsheimkehrer Beckmann aus Borcherts "Drauen vor der Tr" mit, der "erst wild aufs Sterben", "das Leben pltzlich wieder ganz herrlich und s" fand, als "ein Zweibeiner mit Rock, mit einem Busen und langen Locken" vorbeikam. Der Zuschauer durchwanderte den Gang, nderte seine Perspektive, schaute ganz nebenbei ber die Schulter in das groe Fenster einer Leichenhalle, wo ein toter Soldat beweint wurde. Eine Jdin spitzte verngstigt um die Ecke, aber "in Cham hat man den Juden geholfen und ihnen gar ihr Haus abgekauft". Besonderen Reiz strahlten die rumlichen Verhltnisse der "Bhne" aus, verschaffte doch eben der kahle, lange Gang die notwendige Tiefe, in der die jungen Leute geradezu "verschlungen" wurden, wenn sie sich ihrer Zukunft im Krieg oder ihrer Hoffnung auf Menschlichkeit hingaben. Die Nebenrume des Ganges ermglichten Orte des Geschehens, die nur, vergleichbar einem Voyeur, ber dort aufgestellte Kameras zugnglich gemacht wurden. Die Handlung selbst konnte der Betrachter auf Leinwnden im Gang mitverfolgen, aber nicht nur diese, sondern auch die Bilder von der zerstrten Stadt, die den Heimkehrer erwartet, wo er nach dem bronzenen Wohnungsschild seiner Eltern sucht, die sich dem Elend am Ende des Kriege durch Selbstmord entzogen. Und auch innere Bilder der Figuren berlagerten sich hier, wie die sich nach Wrme sehnende Sima, mit dem Bild ihres verschollenen Mannes Wladimir, whrend sie dem "kalten, stummen Fisch", dem verzweifelten, invaliden deutschen Soldaten eine Jacke ihres Mannes anzieht.
Die Inszenierung war stimmig bis ins Detail. Da fehlten nicht der Geruch von Weihrauch im Leichenhaus, nicht die Mamutschka im Schrank der Russin Sima und nicht die harten, russischen Worte des Kriegsheimkehrers Wladimir, als er zu Hause den Fremden antraf.
Da fehlte aber vor allem auch nicht der Appell. Es darf nie wieder "so entsetzlich still in der Welt sein".
"Lass uns gemeinsam lebendig sein" - nie wieder einem toten Soldaten das Versprechen abgeben mssen, den Mord an ihm nie zu vergessen. "Nehmt die Helme ab! Vor Angst braucht keiner mehr zu singen. Wir wollen nichts mehr tun als gut sein und den Mttern versprechen, dass ihre Shne nicht umsonst gestorben sind."

Irene Haberl, Fraunhofer-Gymnasium 06/2005

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