Junges Landestheater Bayern

Erste Liebe - Pressestimmen


Sehnsucht - sprachlos, grell und sanft.
Das Junge Landestheater Bayern wagt mit "Erste Liebe" einen Spagat, der unter die Haut geht.
Amberg. "Irgendwo im grellen, fruchtbaren Meer der ersten Liebe schwimmen die Sehnschte und warten darauf, erkannt zu werden. Sie rufen nicht nach einem, der sie pflckt. Sie sind immer da. Im berfluss." Eine Annherung an diesen Gedanken wagte das Junge Landestheater Bayern mit seiner neuesten Produktion "Erste Liebe". Der Versuch gelang und die Truppe um Regisseur Matthias Fischer feierte am Montag im "Rockdomizil" die gelungene Premiere eines grellen Stcks mit einigen sehr sanften Passagen. Erste Liebe ist ein Stck, bei dem die Grenzen verschwimmen: Jugendliche besetzen die Hauptrollen, im Rockdomizil verschmilzt Bhne mit Lebenswelt: Sam (D.Weise), Jessi, (J.Maurer), Josef (M.G) und Koni (K.Bauer) agieren auf der Tanzflche im Discolicht. Mit zwei Leinwnden im Hintergrund, auf die whrend der Spielszenen Bilder projiziert werden, erlebt das Publikum Erfahrungen, die auch eigene Erfahrungen sind, wie einen Videoclip prsentiert. Nur ist alles um einiges komplizierter als in der Glitzerwelt von MTV.
Amberger Zeitung, 2000

Erste Liebe (ber)fordert Publikum
Junges Landestheater Bayern provozierte - Teil der Schler muss mit Lehrern Theaterstck im Bahnhof vorzeitig verlassen.
Friedrichshafen. Krass, cool, geil. Frchterlich, unzumutbar? Rund 250 Schler aus Friedrichshafens weiterfhrenden Schulen verfolgten gestern Vormittag das Stck "Erste Liebe". Nicht alle durften die Geschichte ber den Weg zur ersten Liebe bis zu Ende anschauen. Achtmal hatten die Schauspieler um den Regisseur Matthias Fischer das auf und Ab der Such nach der "Ersten Liebe" aufgefhrt. Achtmal wurde das Stck, auch in der bayerischen "Provinz" vom jungen Publikum gefeiert und von den Erwachsenen zurckhaltend beobachtet. Doch in Friedrichshafen trauten einige Lehrer ihren Schlern nicht zu, all das, was ihnen im Alltag Angst macht, sie verlockt und fasziniert, in bhnengerecht berspitzter theatralischer Form anzuschauen. Erwachsene stahlen den werdenden Erwachsenen die Chance, die Suche nach der Ersten Liebe im Theater bis zum Ende durchzustehen.
Ja, "Erste Liebe" schockiert, phasenweise. Aggressive Musik von Rammstein, Hitlergru, Komplettstrip. Sam (D.Weise) Jessi (J. Maurer) im Rollstuhl, Josef (M.G) und Koni (K.Bauer) sprechen, onanieren, tanzen rauchen und trumen. Im "Kinderzimmer", bei der Houseparty oder wo auch immer im grellen, furchtbaren Meer der ersten Liebe die Sehnschte schwimmen und darauf warten, erkannt zu werden. "Erste Liebe" ist hochauthentisch, ist nahe dran am Leben der 14-16-Jhrigen.
Im Mittelpunkt des Stckes stehen Jugendliche einer Generation, die ziemlich desillusioniert auf all die Einflsse reagiert, die tagtglich auf sie einstrmen. Seien es Pornografie, der schon unter 14-jhrigen grassierende Schnheitswahn, die Talkshows, die keine Tabuthemen auen vor lassen, der Konkurrenzdruck in der Schule oder aber der Umgang mit Minderheiten. Diese Umstnde, die mittlerweile zur Realitt von Jugendlichen gehren, verarbeiten die Schauspielerinnen und Schauspieler, die zum groen Teil selbst mitten in der Pubertt stecken, sehr direkt. Da wird kein Blatt vor dem Mund genommen, ihre schauspielerische Leistung ist so berzeugend, dass sich manch ein erwachsener Profi ein Beispiel nehmen kann. Man merkt, dass es sie betrifft. Ihre Sprache ist hart, sicherlich auch vulgr, aber ehrlich. Und das Wichtigste ist: sie wird tausendfach so gesprochen auf deutschen Straen. Josef onaniert zu einem Bild von Verona Feldbusch, Koni bekennt sich zu "Rastaman-Vibration" und zum Kiffen. Und dann gibt es noch Jessi. Sie sitzt im Rollstuhl und fr sie ist es selbstverstndlich, dass sie Sex haben und Liebe erleben will, wie jeder andere. Da steht niemandmit dem erhobenen Zeigefinger und sagt: "Ihr sollt nicht saufen!" Nein da dokumentiert ein sich bergebender Koni, was die Konsequenzen sind. Und Koni ist fnfzehn und hat Dreadlocks. Eine Auseinandersetzung mit der oberflchlichen Spagesellschaft und dem schnen Schein, wie man es sich eindringlicher nicht wnschen kann. Einige Lehrer blieben aus gutem Grund: "Endlich verschlgt es auch mal meinen Schlern die Sprache", so Gabriele von Kienlin, Lehrerin an der Schreienesch-Schule. "Jetzt werde ich mich sicherlich auch im Unterricht einer Diskussion ber das Stck nicht entziehen."
Sddeutsche Zeitung, 2000

Die erste Liebe und andere Katastrophen
Germering. Theater sieht normalerweise anders aus: auf der Bhne die Schauspieler, davor die Zuschauer. Wer das Junge Landestheater kennt, der wei, dass hier manches anders ist. Hier sitzt man ganz vorne und mehr noch: mittendrin. Die Bhne ist der Zuschauerraum - und umgekehrt. Die Gestaltung der Bhne ist Programm, denn das Thema geht alle an: Liebe, die erste Liebe. Die Bhne ist Partyraum, Kinderzimmer, Park und Traumlandschaft. Es ist die Welt von Sam, Jessi, Josef und Koni, vier Teenager, die grundverschieden sind. Trume hat jeder, auch vom anderen Geschlecht. Und Angst. Auch vor dem eigenen Geschlecht. Fischer konfrontiert die Zuschauer mit sich selbst. Mit Angabe und Ablehnung, erster Liebe, Selbstbefriedigung und auch Sex. Die vielleicht schnste Szene verbindet Liebe und Enttuschung: Koni hebt Jessi aus dem Rollstuhl. Es wirkt wie ein Tanz, bei dem man vergisst, dass jemand behindert ist. Auf Liebe folgt aber Enttuschung. Das Kunststck von Regisseur Matthias Fischers Inszenierung aber ist, dass sie provoziert und verbindet. Und dass sie den Schmerz ebenso zeigt wie die Lust.
Sddeutsche Zeitung, 2001

Starkes Stck: "Erste Liebe"
Theater dort, wo auch das Leben spielt: in der Disco.
Langsam spielen sie sich durch die ganze Stadt. Das Drogenstck "Junk" fhrte das Junge Landestheater Bayern im Schenker-Gebude, einer alten Lagerhalle auf. Fr ihre neue Produktion, ein starkes Stck mit dem Titel "Erste Liebe" haben sie mit einfachsten Mitteln die Tanzflche einer Disco in der Berliner Strae zur Bhne umgestaltet. So dicht wie mglich mchte das Theater an seine jungen Zuschauer und ihr Leben herankommen. Schon mit der Auswahl des Stoffes streben die Theatermacher um Intendant und Regisseur Matthias Fischer das an. Es geht um die Liebe, die Kopf, Herz und Magen umdreht. Um die Erlebnisse, die heutige Jugendliche machen, mit Liebe, Zrtlichkeit, Sexualitt, um die Erfahrungen, die sie umtreiben. Wie sollen sie sich zurecht finden in der Welt der Gefhle, Sehnschte und Triebe, wo sie noch nicht einmal wissen, wer sie selber sind? In Zusammenarbeit mit Jugendlichen hat das Ensemble das aktuelle Stck entwickelt und neben den Profis spielen Schler auch bei der Inszenierung tragende Rollen.
Waldkraiburger Nachrichten, 2001

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