Pressestimmen zu "Harald, Maude und das Bunkergelnde"
Nur einer steht im Regen
Das Junge Landestheater stellt seine dritte Inszenierung vor: "Harald, Maude und das Bunkergelnde"
Ganz pltzlich kommt der Regen. Erbarmungslos prasseln die Tropfen im Theater am Tor auf Harald herunter, der klitschnass zu Maude in den feuerroten Trabbi steigt. Wasser von der Decke, ein Auto auf der Bhne, dazu Foto und Videosequenzen und ein ausgefeiltes Spiel der Scheinwerfer: Vera Schweinstetter und Matthias Fischer - verantwortlich fr Dramaturgie und Regie - haben alle Register gezogen. Sie nehmen das Publikum schon mit den Effekten gefangen. Und doch achten sie stets darauf, dass bei allen technischen berraschungen die Geschichte (s.Infokasten) im Mittelpunkt steht.
Es ist kein leichter Stoff, den sich das Junge Landestheater Bayern fr die dritte Inszenierung im Landkreis ausgesucht hat, doch er trifft genau den Nerv der Zielgruppe. Harald und Maude thematisiert auf eindrucksvolle Weise die Probleme der Pubertt: Gefhlschaos, Liebeskummer, Unverstandenheit.
Dass es trotzdem nicht nur ein Stck fr die junge Generation ist, dafr sorgt schon der aktuelle Bezug zum Bunkergelnde im Mhldorfer Hart, zu all den Schwierigkeiten, die es hier um ein sinnvolles Gedenken an den ber 4000 Opfer des Rstungswahns und der Menschenverachtung im Dritten Reich gibt.
Wie im Kabarett geht es zu, wenn die Polizisten (Michael Sattler und Robert Straer) ihre brokratischen Einwnde gegen das knstlerische Treiben am Bunkergelnde vorbringen.
Max Mannheimer? "Nach dem haben sie doch noch nicht einmal die Hauptschule benannt." Und berhaupt: "Dafr gibt es doch einen zentralen Gedenktag."
Zwischen den Zeilen verkndet Regisseur Fischer die Botschaft, wie lebendiges Gedenken aussehen knnte. Es ist nicht der erhobene Zeigefinger, der die Besucher nach Hause begleitet. Es ist die Erinnerung an einen berhrenden und eindrucksvollen Theaterabend. Dafr sorgt schon die einmalige Atmosphre im Theater am Tor, das in dieser Spielzeit nur rund 100 Besucher fasst. Den brigen Raum nehmen Live-Musik (Bjrn Glindemann, Stephan Gembler und Ludwig Doben) und die wundervolle dreigeteilte Bhne ein.
Hautnah sind so die Besucher dabei, wenn sich vorne die ganz besonderen Momente abspielen: Gleich zu Beginn, wenn Harald am Strick im Arbeitszimmer baumelt und sein Vater vllig unbeeindruckt ber den Abschiedsbrief auf den verschmierten Notenblttern schimpft. Mittendrin, wenn Glaucus Harald sein Modell der Gedenksttte vorstellt und ihn an einem umgebauten Globus die Gerche der Orte einatmen lsst, aus der die Opfer stammen. Und ganz am Ende, wenn Harald und Maude schlielich zusammenfinden. Einfach so, ein stilles Finale.
Wieder einmal haben Fischer und Schweinstetter bei der Besetzung ein glckliches Hndchen bewiesen - ohne Ausnahme: von Fabian Stark (Harald) ber Michael Satteler (Vater) und Domenico Longo (Glaucus) bis hin zu Ursula Grzela (Maude), deren Rollstuhl selbstverstndlich keine Rolle spielt.
Ein tolles Stck. Ohne Wenn und Aber.
Mhldorfer Anzeiger
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