Pressestimmen
"Ruber" im tschechischen Grenzgebiet
Dieses Theaterprojekt unter der Leitung von Matthias Fischer und Vera Schweinstetter leistet Erstaunliches, ja Vorbildliches. Obwohl "Tourneetheater", lsst es sich intensiv ein auf den Raum, in dem es agieren will. In diesem Fall das bayerisch-tschechische Grenzgebiet im Landkreis Cham. Schon im letzten Jahr wurde eine hchst bemerkenswerte Inszenierung im Grenzbahnhof von Furth im Wald gezeigt, ein selbst erarbeitetes Stck ber Grenze, Krieg und Vertreibung. Diesmal ist es die leer stehende Halle eines ehemaligen Teppich- und Fliesengeschftes in Cham-Willmering. Unter Beteiligung der Berufsschule Cham und der Akademie fr Holzgestaltung wurde der weitlufige Raum in eine multi-perspektivische Bhne verwandelt. Aus dem Schillerschen Schloss von Vater Max Moor (Arnulf Meifert) ist die streng gestylte Villa eines erfolgreichen aber frustrierten Altachtundsechziger geworden, mit Bibliothek und Tennisplatz. Was sich dort allerdings abspielt, ist der alte Konflikt: Bruderrivalitt zwischen dem stubenhockerischen Computer-Freak Franz und dem eine Jugend-Gang anfhrenden Karl, der - heutige Form der absoluten sozialen Deklassierung - zu Beginn des Stckes von seinem disziplinarischen Schulverweis erfhrt. Matthias Runge-Rannow (Franz) und Christian Erdt (Karl), Barbara Bachl (Amalie), sowie Christoph Helfrich (Roller) und Pascal Graf (Spiegelberg) meistern mit viel Authentizitt jene Gratwanderung, die diese Produktion darstellt. Fugenlos nmlich wechseln sich Schillersche Originalpassagen mit heutiger Jugendprache ab und es ergibt doch ein stimmiges Ganzes.
(Bayerische Staatszeitung vom 19.05.2006)
Einfach losfahren in die Freiheit
- Schillers "Ruber" uerst ungewhnlich aufgefasst vom Jungen Landestheater
Die Halle des ehemaligen Fliesen- und Teppichmarktes in Brennet bei Cham ist riesig. Dieser Ort ist aber nicht nur ungewhnlich, das Ensemble ist es auch. Das Stck ist modern, doch Schillers Intention bleibt stets sprbar. Was bei diesen modernen "Rubern" herauskam, knnte nach Schillers Geschmack sein: Die Akteure sind Strmer und Drnger, sie wollen das Leben spren: Grenzen austesten, Erfahrungen sammeln mit Drogen, Sexualitt und Freundschaft. Jeder befindet sich auf der Suche, nach Freiheit, nach Heimat und Geborgenheit, jeder auf seine Weise.
Karl (Christian Erdt), wie bei Schiller charismatisch, sympathisch und temperamentvoll, hat schon viel ausprobiert, um auf seine Weise die Freiheit zu finden. Er rebelliert gegen die gesellschaftliche Ordnung. In der Schule war er schon lange nicht mehr, der Verweis droht. Mit seinen Rubern zieht er herum, probiert Drogen aus, grlt ein bisschen gegen Rechtsradikale. Dann setzt die Ruberclique noch eins drauf: Der Weg fhrt nach Babylon in Tschechien, wo es billigen Sprit und schnellen Sex gibt. Da, wo Karls Groeltern einst lebten, luft heute ein trauriges Kapitel tschechisch-deutscher Beziehungen.
(Mittelbayerische Zeitung vom 25.05.2006)
Die Kunst, der Jazz und die Ruber
Das Stck "Die Ruber" in der Interpretation der ambitionierten Gruppe um die knstlerischen Leiter Vera Schweinstetter und Matthias Fischer versteht es, vielfltige Perspektiven auf das Angesicht des Menschen in Zeiten wie diesen aufzuzeigen.
Diese moderne Interpretation von Schillers Rubern trifft jeden. Dem Jungen Landestheater gelingt es, den Heimat- und Freiheitsbegriff jeder Generation berscharf zu zeichnen, und dabei auch den Konflikt zwischen bertriebener Heimatliebe bis zum Rechtsradikalismus und verstiegenem Antipatriotismus ("Wir wollen ein Deutschland, in dem keiner mehr Deutsch sprechen knnen muss!") in aller Absurditt darzustellen.
Der Theaterabend endet noch lange nicht mit dem Ende des Stckes. Publikum wie Spieler treffen sich unmittelbar nach der Auffhrung in der Kulisse. Wo eben noch Karl Moor mit seinem Auto gegen einen Baum fuhr, spielt kurz darauf die tschechische Band Jazzmistake.
(Bayerwald Echo vom 27.05.2006)
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